STARTUP STORIES: BEAGLE SYSTEMS

Das Startup Beagle Systems entwickelt und betreibt Langstreckendrohnen für medizinische Transporte und lineare Infrastrukturinspektionen bis 200 Kilometer und bis drei Kilogramm Zuladung. Im Mai 2020 hat es eine allgemeine Aufstiegserlaubnis für Flüge ohne Sichtkontakt im Land Niedersachsen erhalten. Ein wichtiger Schritt, um Investoren und potentielle Kunden zu überzeugen. Wir haben uns mit Gründer Oliver Zoeller unterhalten.

 

Ursprünglich kommt Oliver Zoeller aus dem Rheinland, er ist in Koblenz zur Schule gegangen. Mit 16 wechselte er in die USA auf ein „sehr ländliches Internat“ in Pennsylvania. Dort hat er einen Abitur-äquivalenten Abschluss gemacht. Anschließend ging es zurück nach Deutschland, jedoch in die Hansestadt Hamburg: „Ich habe dort diverse Praktika gemacht – unter anderem bei Hapag-Lloyd – und mich nebenbei als Umzugshilfe oder mit Gastro-Jobs wie Tellerwäscher, Küchenhilfe, Pizzakoch oder Kellner durchgeschlagen“, erinnert er sich. Schließlich hat er an der Nordakademie dual mit Europcar BWL studiert, Elektromobilität und Operations-Management waren damals die Themen. Parallel zu seinem Studium ging Oliver seiner Faszination nach und brachte sich das Bauen von Drohnen und 3D-Druckern selbst bei.

Während eines Auslandssemesters 2016 bis 2017 in Shanghai hat er sich oft mit Luftfahrtingenieuren in eine Garage gesetzt und getüftelt: „Da wurde dann immer ein Fluggerät entwickelt, gebaut, ein Probeflug absolviert und schließlich wieder zerlegt. Und so weiter. Dabei habe ich viel gelernt, jedoch hat mich das damals als Kaufmann natürlich sehr frustriert, weil all dieses Potential einfach so wieder zerlegt wurde und verschwand“, berichtet er amüsiert von dem inspirierenden Erlebnis.

In dieser Zeit hat Oliver auch entsprechende Messen besucht, in Hong Kong oder bei Veranstaltungen der New York University in Shanghai – wo er dann bei einem Vortrag über die Steuerung von Drohnen per Mobilfunknetz Jerry Tang kennengelernt hat, seinen technischen Co-Founder. Für die Gründung ihres Drohnen-Startups Beagle Systems holten sie noch Wirtschaftsingenieur Mitja Wittersheim mit ins Boot: „Mit Mitja habe ich an der Nordakademie studiert. Er war einen Jahrgang über mir und damals schon als Präsident des Studierendenparlamentes ein vielseitig talentierter Macher. Nach dem Abschluss hat er sich dann einem Startup angeschlossen, war da aber nicht so zufrieden, weil es nicht technisch genug war“, so Oliver. Das habe er mitbekommen und ihn dann für Beagle Systems gewonnen: „Dann sind wir erstmal zu diversen Messen im Bereich ‚Unbemannte Systeme´ gereist und haben uns informiert, was immer wieder nachgefragt wird – aber noch nicht auf dem Markt ist - nämlich Drohnen, die im europäischen Rechtsrahmen lange Strecken abfliegen dürfen.“ Das Startup Beagle Systems entwickelt heute unbemannte Inspektions- und Transportflugzeuge, produziert mit einem 3D-Drucker, welche legal ohne Sichtkontakt zum Steuerer bis zu 200 Kilometer lange Flüge absolvieren können. Damit werden nun Stromleitungs- oder Gleiswartungen ohne teure Helikopteranmietungen durchgeführt. Im Fokus der Anwendung stehen jedoch auch medizinische Transporte von Krankenhaus zu Pathologie.

Für die Gründung war damals noch ein Rechtsbeistand nötig: Der Jurist Amos Münch wurde strategischer Partner. „Amos haben wir in Shanghai kennengelernt. Er war von Anfang an unserem Projekt interessiert. 2019 haben wir uns im Hamburg wiedergetroffen. Amos unterstützt uns in Rechtsfragen und hat ein kleines Angel-Investment beigesteuert“, berichtet Oliver.

Jetzt musste man sich nur noch entscheiden, wo das Startup beheimatet sein soll. „Für den Ort der Gründung hatten wir anfangs China, Deutschland und Australien im Blick. Gegen China hat die fehlende Rechtssicherheit gesprochen: Dort gab es nahezu keinen Schutz für das geistige Eigentum, zudem konnte man sich generell kaum auf Verträge verlassen. Ja, es gibt dort natürlich weniger Regularien, jedoch kann die Regierung von einem auf den anderen Tag sagen: Ihr dürft jetzt nicht mehr fliegen.“ Obwohl Australien weitläufige Areale für Testflüge bietet, fehlt dort das Marktvolumen. Deswegen entschied man sich für die Hansestadt - hier gelten zwar erheblich höhere rechtliche Anforderungen für den Drohnenbetrieb, jedoch mit dem europäischen Binnenmarkt ein großes, homogenes Spielfeld und ein guter rechtlicher Rahmen.

Damit sich das Team ohne Nebenjobs in Vollzeit dem Projekt widmen und Jerry Tang nach Hamburg ziehen kann, hat sich Beagle Systems Ende 2018 um eine EXIST-Förderung beworben: „Ich bin online auf EXIST gestoßen. Da uns die nötige Unianbindung fehlte und die Nordakademie aufgrund des Dualen Systems keine Gründer fördert, haben wir uns an Nils Neumann von beyourpilot gewandt. Im Rahmen eines Vortrags wurde ich dann von der Helmut-Schmidt-Universität angesprochen: Die waren von dem Projekt begeistert und haben die Mentorschaft übernommen. Seitens beyourpilot betreut uns die Gründungsberaterin Dr. Andrea Otto seit 2018, sie hat uns beim neunmonatigen Bewerbungsprozesses ausgezeichnet unterstützt und steht uns bis heute zur Seite“, berichtet Oliver.

August 2019 hat das Team die Inno-Ramp-Up-Förderung der Hamburgischen Investitions- und Förderbank (IFB Hamburg) erhalten, welche Startups mit Zuschüssen bis zu 150.000 Euro in der Startphase unterstützt: „Gestartet haben wir in einem Schweinestall auf einem Bauernhof in Quickborn - durch die InnoRampUp-Förderung konnten wir uns Büro- und Produktionsflächen in Wandsbek leisten“, erklärt Oliver. Was ist die nächste Station? „Kommt darauf an, wie es läuft. Wenn wir einen Abnehmer haben, dann bereiten wir uns auf Serienproduktion vor. Dabei müssen wir aber Büro und Produktion trennen, was ich bedauern würde. Ich schätze es, dass hier gerade jeder sehen kann, worum es geht. Ich habe bei vielen Unternehmen mitbekommen, dass dem Team oft das Produkt egal war, das soll hier nie der Fall sein“, schließt Oliver zuversichtlich.

Im Mai 2020 hat das Startup eine allgemeine Aufstiegserlaubnis für Flüge ohne Sichtkontakt im Land Niedersachsen erhalten. Somit kann das Team nun außerhalb von Städten Flüge bis 200 Kilometer Strecke und 3 Kilogramm Zuladung kommerziell durchführen. „Für uns ist das ein großer Schritt, da wir bisher zwar Investoren und Kunden erklären konnten, dass wir solche Flüge anbieten können, dennoch jedoch eine verständliche Skepsis herrschte“, so Zoeller. Für geplante Kundenprojekte und sowohl die aktuelle Wandeldarlehens- als auch die kommende (Seed-) Finanzierungsrunde kann Beagle Systems somit darlegen, dass ihr Konzept nicht nur technisch funktioniert, sondern auch im strikten Rechtsumfeld in Deutschland umsetzbar ist.